Jamie Cullum - Catching Tales

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Jamie Cullum - Catching Tales
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Sein Major-Debüt Twentysomething, das weltweit zweieinhalb Millionen begeisterte Käufer fand, setzte noch überwiegend auf Fremdtitel, nur wenige Stücke stammten aus der Feder von Jamie Cullum. Beim prächtigen Nachfolger ist es genau andersrum, lediglich drei Tracks sind Bearbeitungen bereits existierender Songs. Besonders hervorzuheben wäre da die Neufassung von Harry Warrens Klassiker "I Only Have Eyes For You", den zuvor auch schon Frank Sinatra, Rod Stewart, Doris Day und viele andere interpretierten. Cullum macht daraus eine höchst originelle Schlafzimmer-Soulballade, wie sie selbst Barry White selig nicht romantischer hätte gestalten können. Den Löwenanteil des Songmaterials schrieb der junge Brite diesmal selbst bzw. im Team mit Künstlern unserer Tage wie etwa Stewart Levine (Simply Red), Dan the Automator (Gorillaz), Guy Chambers (Texas, Kylie Minogue), Salaam Remi (Fugees, Nas, Beenie Man) und Ed Harcourt. Dieser Schritt hin zu mehr Eigenverantwortung ist ein deutliches Zeichen für das gewachsene Selbstbewusstsein des mittlerweile 25-jährigen. Und die Erweiterung seines Stilspektrums spricht ebenfalls Bände. Pendelte er beim Albumvorgänger noch zwischen Jazz und Pop, so hat er seine Klangpalette für das in Los Angeles und London produzierte Catching Tales wesentlich bunter bestückt. Er greift Folkelemente auf ("London Skies"), schlägt geschickt eine Brücke vom Bigband-Sound früherer Tage zum HipHop-Feeling von heute ("Get Your Way"), hat Beatleskes ("21st Century Kid") und Britpop (beim Doves-Cover "Catch The Sun") im Angebot, streckt seine Fühler in Richtung Rhythm & Blues aus ("Back To The Ground") und beherrscht den "funky groove", wie man ihn etwa vom Stevie Wonder der 70's kennt ("Mind Trick"). Zu Beginn seiner Karriere zeigte Jamie Cullum noch gewisse gesangs- und klaviertechnische Schwächen, die er häufig mit dem Gestus des jugendlichen Draufgängers, des charmanten Lausbuben überspielte. Das hat er jetzt nicht mehr nötig. Im Jahre 2005 ist er gereift und weiß genau, was er mit seiner Kunst erreichen will: "Dieses Album offenbart sehr viel mehr von mir selbst und repräsentiert auch besser, wo ich als Musiker hingelangen möchte." So die zutreffende Selbsteinschätzung des Jungstars, an dem wir in den kommenden Jahren noch viel Freude haben werden. -- Harald Kepler